Das Bild der Frau in ausgewählten Romanen von Heinrich Böll
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Über die Ästhetik des Humanen


Im Wintersemester 1963/64 hielt Böll als Gastdozent für Poetik an der Universität Frankfurt vier Vorlesungen, in denen er die Frage aufwarf, wie das Leben in Deutschland in der deutschen Literatur und insbesondere in der deutschen Nachkriegsliteratur behandelt wurde. Er bezeichnete seine persönliche Sichtweise der Dinge als " Ästhetik des Humanen", wozu für Böll die elementaren Dinge des Lebens wie Wohnverhältnisse, Nachbarschaftsbeziehungen, Heimat, Liebe, Religion und Mahlzeiten gehören.

Da er bei seinen Beobachtungen der deutschen Nachkriegsliteratur - von Adalbert Stifter bis Grass - zu dem Schluss kam, dass diese " Ästhetik" in der deutschen Literatur nicht umgesetzt worden sei, versuchte er dies in seinen eigenen Werken zu bewerkstelligen. Für Böll sind die Frauen die Verkörperung seiner Vorstellung von Menschlichkeit. Die oben genannten Kriterien fallen in den traditionellen Lebensbereich der Frau. Explizit bezeichnet er Dinge wie die Zubereitung einer Mahlzeit oder das Sauberhalten einer Wohnung als "Feierlichkeiten des Alltags" , die nach seinem Rollenverständnis primär von der Frau ausgeführt werden. Und auch zu Liebe und Zärtlichkeit sieht Böll die Frau – durch ihr natürlicheres und weniger kompliziertes, auch weniger intellektuelles Verhältnis zu sich selbst – eher befähigt als den Mann.
Symbolisch für die "Feierlichkeiten des Alltags" sowie die Zärtlichkeiten stehen bei Böll die Hände der Frau, die er auch in einem seiner Werke lobt:

"Frauenhände sind schon fast keine Hände mehr: ob sie Butter aufs Brot oder Haare aus der Stirn streichen. Kein Theologe ist je auf die Idee gekommen, über Frauenhände im Evangelium zu predigen: Veronika, Magdalena, Marie und Martha – lauter Frauenhände, die Christus Zärtlichkeit erwiesen."

Die intensive Projektion der humanen Ideale auf die Frauenfiguren resultiert aus der Tatsache, dass Böll der Ansicht ist, dass der Mann als solcher vorbelastet ist.
Böll brachten diese Aussagen später einige Kritik aus Reihen der Frauenbewegung ein, da die Merkmale seiner "Ästhetik des Humanen" nicht nur räumlich in der Nähe der drei "K’s" (Kinder, Küche, Kirche) des konservativen Frauenbildes angesiedelt waren. Nichtsdestotrotz ist die Frau für Böll das "Genie der Sinnlichkeit" und "Verwalterin" der häuslichen Tätigkeiten. Wichtigstes Kriterium für Böll ist der Charakterzug der Sensibilität und Sinnlichkeit, welcher der Frau gegeben sei. Er ist der Auffassung, "dass man die Sensibilität der Frau, und zwar ihre Genialität, die in der Sensibilität liegt, noch nicht erkannt hat."
Dennoch beschränkt sich Böll mit diesen zentralen Motiven seiner " Ästhetik des Humanen" auf Tätigkeiten und Eigenschaften, die einem konservativen Bild der Frau entsprechen.
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(1) Böll, H.: Ansichten eines Clowns, S.199