Das Bild der Frau in ausgewählten Romanen von Heinrich Böll
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Mutter Gluck


Marsupi Babytrage

Frau Gluck, die Mutter Cornelias, ist eine wohlhabende, etwas überhebliche Frau, die Reichtum und gesellschaftlichen Status für das Wichtigste im Leben hält. Auf Grund dessen hat sie sich mit ihrer Tochter und ihrem Ehemann entzweit. Ursächlich hierfür ist die mit dieser Lebenseinstel-lung unvereinbare freigeistige Mentalität, die Cornelia und ihrem Vater eigen ist. So ist ihre Tochter Schauspielerin geworden und ihr Mann „hatte unter der Maske eines Weltmannes und Professors das Herz eines Zigeuners verborgen“. Ihm gegenüber war sie aber „früh genug kühl geworden und geblieben und hatte ihre Erbschaft vor dem aufreibenden Leichtsinn dieses verhinderten Künstlers bewahrt [...]“.
Obgleich sie zu Cornelia nur wenig Kontakt hat, beschließt sie zu deren Hochzeit zu gehen, um sich ein Bild von den Schwiegereltern ihrer Tochter zu machen. Beladen mit Vorurteilen über das Milieu, dem Christophs Familie zugehört, nimmt sie diese in Augenschein und wundert sich nicht, „welche Dummheit Cornelia da wieder gemacht hat[]“.
Dementsprechend herzlos und ausschließlich geldfixiert wirkt Frau Gluck zunächst. Dies ändert sich jedoch schlagartig, sobald sie ihre erste Begegnung mit Frau Bachem hat. Denn als sie vor ihrer Tür stand, Sie war gezwungen, „allen Hochmut, der ihr wie ein selbstverständliches Kleid anhaftete, einfach fallen zu lassen“.
Frau Gluck findet Frau Bachem sympathisch, aber auch unbeschwert und träumerisch, weil es sie nicht beunruhigt, dass ihr Sohn eine Schauspielerin heiratet.

Sie fühlte, dass sie die wunderbare Fähigkeit hatte, darüber zu lächeln und gleichzeitig im Grunde ihres Herzens kalt zu bleiben. Sie dachte jedenfalls nicht daran, die Sicherheit, die ihr das Geld gab, nebensächlich zu finden.

Je öfter Frau Gluck bei den Bachems weilt, desto glücklicher wird sie, ihrer Welt für einige Augenblicke zu entfliehen.

Sie verfiel geradezu dieser Luft, die frei war und in keiner Weise kleinlich eng, und die tiefe Frömmigkeit dieser Frau rührte sie geradezu.

Bis zur Hochzeit verbringt Frau Gluck jede freie Minute bei den Ba-chems. Sie schläft sogar dort. Als sie Cornelia wiedersieht und ihren zukünftigen Schwiegersohn kennen lernt, wirkt sie fast herzlich. „Die kühle Frau errötete seltsam weich und tief, und sie beugte sich über ihren neuen Sohn und küsste ihn scheu...“ .
Spätestens bei der Hochzeitsfeier ist ihre kühle Art vollständig gewichen. Sie weint mit allen anderen, die sich mit dem Paar freuen.

Die Figur der Frau Gluck kontrastiert, wie Frau Bachems Tochter Grete, sehr stark mit Frau Bachem. Ihre kühle, überhebliche Art steht der Gutmütigkeit und Mütterlichkeit Frau Bachems gegenüber. Außerdem lässt Böll, Cornelias Mutter eine Wandlung durchlaufen, durch die sich die gutmütige Art von Frau Bachem auf sie überträgt. Am Ende dieser Entwicklung steht eine positive, herzliche Frau, die nicht mehr primär auf Statussymbole achtet.