Das Mädchen aus der Imbissbude
Das Mädchen aus der Imbissbude ist im Roman nach Käthe und Fred Bogner die wichtigste Person. Das Mädchen, dessen Mutter im Krieg gestorben ist, hat einen geistig behinderten Bruder und einen Invaliden zum Vater. Um diese kümmert sie sich fürsorglich. (Vgl. Wort 36) Nebenbei arbeitet sie in der Imbissbude ihres Vaters. Sie hat in der Familie für den Bruder die Mutterrolle übernommen und ist für ihren Vater gleichermaßen Ersatz für seine Ehefrau.
Unschuld und Mutterschaft werden von Böll in einer Person vereinigt. Das Mädchen wird so zu einer „Jungfrau-Maria-Figur“, eine Böllsche Idealfrau.
Die Familie des Mädchens fungiert als Kontrastpunkt zur Familie der Bogners. Obwohl das Mädchen ein viel schwierigeres Leben hat als die Bogners, hält ihre Familie zusammen. Selbst der behinderte Bruder des Mädchens, der angeblich kein einziges Wort sprechen kann, vermag noch das Wort „wir“ (Wort 101) zu artikulieren, was auf den starken Famili-enzusammenhalt schließen lässt.
Als Fred das Mädchen zum ersten Mal sieht, muss er ihr hinterhergehen, denn „sie berührte sein Herz“ (Wort 161). Ihre freundliche Art, ihr Lächeln erfüllen Fred mit Wohlbefinden und Ruhe. (Vgl. Wort 42) Aber sie stellt nie eine Gefahr für seine Ehe dar, wie Fred Käthe später erklärt.
Ja, ich sehe sie gern. Ich sehe sie sehr gern. Ich werde oft zu ihr gehen, aber ich würde nie daran denken, dich ihretwegen zu verlas-sen. (Wort 161)
Ein anderes Mal ist es Käthe, die dem Mädchen begegnet. Und auch sie ist sofort von dem Lächeln des Mädchens ergriffen.
Ihr Lächeln fiel wie ein Zauber über mich, ich lächelte zurück, und so blieben wir einige Sekunden stehen, ohne uns zu bewegen, und während ich wirklich nur sie sah – sah ich, wie aus weiter Entfer-nung, auch mich, sah uns beide dort stehen, einander zulächelnd wie Schwestern [...] (Wort 99).
Und zum ersten Mal sieht sich Käthe zwar „mager und traurig, aber lächelnd“ (Wort 99) am Eingang der Bude stehen. In dem Mädchen sieht Käthe sich selbst als junge Frau. Traurig wird sie, als ihr klar wird, dass das Mädchen wohl genau wie sie enden wird, wenn sie erst einmal eine Familie hat. (Vgl. Wort 100)
Ein weiterer Hinweis auf die Gutmütigkeit des Mädchens wird in ihrer Einstellung zu Geld deutlich. Käthe erhält von ihr etwas zu Essen und zu Trinken, obwohl sie kein Geld hat. (Vgl. Wort 100) Auch Fred bekommt von ihr mehr Kaffee und Butter, als er bezahlen kann. (Vgl. Wort 40)
Das Mädchen taucht noch ein weiteres Mal auf. Dieses Mal besuchen Fred und Käthe zusammen die Imbissbude. Als das Mädchen die beiden sieht, lächelt sie Käthe an und dieser „tat es wohl, zu sehen, dass sie sich wirklich freute“ (Wort 171).
Diese Böllsche Frauenfigur kann man als einen „Engel [bezeichnen], der rechtes Handeln im Interesse der Armen und Schutzbedürftigen bewies, der christliche Nächstenliebe praktizierte“ . Erneut macht Böll Gutmü-tigkeit an zwei Punkten fest. Einmal ist es das Handeln des Mädchens, das andere Mal ihre äußere Erscheinung. So erfreut insbesondere ihr Lächeln andere Menschen.
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