Frau Franke
Frau Franke ist die Nachbarin der Bogners. Sie steht in starkem Kontrast zu den positiven Frauenfiguren des Romans. Schon ihr Aussehen flößt Käthe Angst ein.
Frau Franke ist mit sechzig noch eine schöne Frau; der merkwürdige
Glanz ihrer Augen aber, mit denen sie alle fasziniert, flößt
mir Schrecken ein: diese dunklen harten Augen, ihr gepflegtes
Haar, das sehr geschickt gefärbt ist, ihre tiefe, leicht
zitternde Stimme, die nur im Verkehr mit mir plötzlich schrill
werden kann [...] (Wort 24).
Auch die Hinweise auf ihren Charakter und ihre Herkunft verstärken dieses negative Bild.
Frau Franke ist redselig und lebhaft, ohne Zärtlichkeit. Sie stammt aus einem alten städtischen Händlergeschlecht, das die Gegenstände, mit denen es Handel trieb, von Geschlecht zu Geschlecht wechselte, immer kostbarere fand: Von Öl, Salz und Mehl, von Fisch und Tuch kamen sie zu Wein, dann gingen sie in die Politik, sanken herab zu Grundstückmaklern, und ich meine heute manchmal, dass sie mit dem Kostbarsten Handel treiben: mit Gott. (Wort 28).
Böll hat die Figur der Frau Franke durch ihr Aussehen und ihre Charak-terzüge sehr stark von den für ihn positiven Frauenfiguren abgegrenzt. Ihre „harten Augen“ und ihre „Gefühllosigkeit“ machen sie zu einer negativen Frauenfigur. An dieser Figur bringt Böll auch seine Zweifel an der Institution Kirche zum Ausdruck.
Frau Franke betätigt sich in verschiedenen kirchlichen Komitees, Ausschüssen und Vereinen und genießt den Ruf einer Person, die sich uneigennützig für die Belange des Katholizismus einsetzt. Täglich empfängt sie die heilige Kommunion und darf jeden Monat den Ring des Bischofs küssen, wenn er die führenden Damen der Diözese empfängt. Frau Franke ist der Prototyp der gewissenhaften Katholikin, der allen kirchlich auferlegten Pflichten pünktlich und regelmäßig nachkommt. Für ihre Mitmenschen besitzt sie jedoch kein Mitgefühl. Dies wird insbesondere durch ihr Verhalten gegenüber den Bogners deutlich.
Frau Franke wohnt mit ihrem Mann in einer Vier-Zimmer-Wohnung unter den Bogners, während die nur einen kleinen Raum besitzen. Als Käthe beantragt ein weiteres Zimmer zu bekommen, fordert Frau Franke dieses Zimmer für sich ein. Käthe weiß, dass es die kirchlichen Behörden waren, die Frau Franke
die Dringlichkeit dieses Raumes bescheinigt haben, des Raumes, der uns nicht glücklich machen, aber uns die Möglichkeit garantie-ren würde, eine Ehe zu führen (Wort 24).
Desweiteren wird das negative Bild von Frau Franke dadurch verstärkt, dass sie ihren Einfluss geltend macht, um zu verhindern, dass die Bogners eine neue Wohnung am Stadtrand erhalten. So entscheidet sich die Wohnungskommission gegen sie, weil Fred trinke und Käthe sich zu wenig in der Kirche engagiere. Denn
die Vorsitzende dieser Kommission aber ist Frau Franke, die dadurch den Ruf einer untadeligen, selbstlosen Frau noch bereichert hat. Denn hätte sie uns die Wohnung zugebilligt, wäre unser Raum, der ihr nun als Esszimmer fehlt, freigeworden. So entschied sie zu ihrem eigenen Schaden gegen uns (Wort 25).
Der Rückhalt, den Frau Franke in der Kirche hat, macht ein Vorgehen dagegen für die Bogners aussichtslos.
Diese Tatsache macht sie zu einer Person, gegen die zu kämpfen zwecklos ist. Wir haben es erfahren, weil wir sechs Jahre gegen sie gekämpft und es nun aufgegeben haben. (Wort 24)
Dadurch wird Käthes Furcht vor Frau Frankes Bösartigkeiten noch größer. Die Kirche war schließlich das Einzige, woran Käthe noch geglaubt hat.
Die Tatsache, Gegenstand eines solchen Hasses zu sein, flößt mir Furcht ein, und ich habe Angst, den Leib Christi zu essen, dessen Genuss Frau Franke täglich erschreckender zu machen scheint. [...] Und ich habe Angst, die heilige Messe zu hören, obwohl die Sanftmut der Liturgie zu den wenigen Freuden gehört, die mir geblieben sind. Ich habe Angst, den Pfarrer am Altar zu sehen, den gleichen Menschen, den ich oft nebenan im Sprechzimmer höre. (Wort 25)
Nur in Zusammenhang mit Geld weist Frau Franke Elemente einer positiven Frauenfigur Bölls auf.
Zunächst, wenn sie von Geld spricht. Sie spricht das Wort mit ei-ner Sanftmut aus, die mich erschreckt, so wie manche Leute: Le-ben, Liebe, Tod oder Gott aussprechen, sanft, mit einem leisen Schrecken und einer großen Zärtlichkeit in der Stimme. Der Glanz ihrer Augen wird matter, und ihre Züge werden jung, wenn sie von Gold und ihrem Eingemachten spricht, beides Schätze, deren Ver-letzung sie nicht zulässt. (Wort 28)
Böll stellt mit Frau Franke eine geldgierige, kalte Frau dar, die ihren Mitmenschen das Leben schwer macht. Die Kirche wird zum Mittäter dieser Frau.
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