Das Bild der Frau in ausgewählten Romanen von Heinrich Böll
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Die Großmütter

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Leben im Alter

Grundsätzlich kommt der großmütterlichen Figur in Bölls Werken nur eine geringe Bedeutung zu. Eine Ausnahme bildet der Roman „Haus ohne Hüter“, in dem gleich zwei Großmütter dargestellt werden: zum einen Frau Holstege, die Großmutter von Martin Bach und zum anderen die Mutter von Albert, deren Name nicht genannt wird.
Frau Holstege ist ebenfalls Witwe. Sie ist es jedoch schon lange und hat sich dementsprechend damit abgefunden. Jedoch kann sie den Tod ihres Sohnes nicht verschmerzen.
Durch sie lässt Böll die Vergangenheit in Rückblenden immer wieder aufleben. Martin muss sich - so will es seine Großmutter – an alle Details der Vergangenheit erinnern. Sie fragt ihn regelmäßig, wann, wo und wie sein Vater ums Leben gekommen ist. Insbesondere den Namen des Mörders lässt sie ihn mehrfach wiederholen.

Wie hieß der Mann, der deines Vaters Tod verschuldet?
Gäseler.
Wiederhole diesen Namen.
Gäseler.
Noch einmal.
Gäseler. (HoH 90)

Signifikant sind auch die Essgewohnheiten der Großmutter. Martin hasst es, mit seiner Großmutter essen gehen zu müssen.

Wenn sie dann „große Stücke Braten, [...] fünf verschiedene Salate bestellte, [...] und das blutige Fett mit Brot auftupfte, [...] überlegte er, ob es Zeit sei, zum Klo zu gehen und dort zu erbrechen. (HoH 105f.)

Seine Ursache hat dies wohl darin, dass die Großmutter aus sehr armen Verhältnissen stammt. Sie heiratet zwar den wohlhabenden Marmeladen-fabrikanten Holstege, dennoch merkt man ihr unter anderem an ihre Herkunft an. Seit ihrem gesellschaftlichen Aufstieg isst sie nur noch Fleisch und Weißbrot, trinkt Rotwein und raucht die stärksten und besten Zigaretten. Sie lehnt alles ab, was sie an Armut erinnert. So hasst sie beispielsweise auch Kartoffeln, die Speise der Armen. (Vgl. HoH 104)
Verständlich ist, dass sie als neureiche Person ihren Reichtum überaus zu schätzen weiß. Gleichwohl ist sie deshalb nicht überheblich oder herablassend wie dies andere wohlhabende Figuren seiner Werke sind. Vielmehr ist Großmutter Holstege sehr großzügig.

Von dem Augenblick an, da sie als dreiundzwanzigjährige Frau vor vierzig Jahren ein Scheckbuch bekommen hatte, von diesem Au-genblick an hatte ihre kindliche Freude über die Tatsache, dass sie Geld machen konnte, nicht nachgelassen. Sie verschliss eine Menge von Scheckbüchern, [...], dann ging sie im Haus umher und bot allen Geld an [...] (HoH 89).

Überdies wird sie auch als liebenswürdige, menschliche Frau beschrie-ben, die ihrem Enkel zuweilen liebenswert erscheint. Beispielsweise, wenn sie von ihrer Krankheit gezeichnet auf dem Bett liegt.

[...] Sie lag dann auf ihrem Bett, und es strömte von innen heraus plötzlich über sie, helle Welle, die sie jung machte, glücklich und unglücklich, denn sie seufzte tief und weinte zugleich, blühend wurde ihr Gesicht, [...] Glück breitete sich aus und Friede, während die Tränen weiterströmten, und er liebte die Großmutter plötzlich, liebte ihr großes breites, so blühendes Gesicht, das ihm sonst Schrecken einflößte. (HoH 56)

Die Großmutter entspricht dem Bild einer gebrochenen Frau. Endgül-tig verliert sie ihre Kraft, als sie dem Mörder ihres Sohnes begegnet. Nachdem dieser gefasst ist, hat sie ihr letztes Lebensziel erreicht. Der Hass gegen den Mörder hat sie lebendig gehalten. .

Ein völlig anderes Bild einer Großmutter zeichnet Böll anhand Alberts Mutter. Sie betreibt mit ihrem Bruder in Bietenhahn ein Ausflugslokal, wo die Kinder, Heinrich und Martin, es „am schönsten“ (Vgl. HoH 11) finden. Dort können sie den ganzen Tag ungezwungen tun, was sie wollen. Hier vergisst Heinrich für kurze Zeit sogar seine Probleme, und „manchmal tat er etwas, was er selten tat: lachen“ (HoH 10).
Insbesondere erfreut die Großmutter ihre Gäste mit ihren Backkünsten. Sie „buk alles selbst, auch das Brot. Sie tat es, weil sie es gern tat“ (HoH 11).
Alberts Mutter entspricht dem traditionellen Bild, ja fast schon Klischee einer Großmutter, die sich mit Hingabe um ihre Kinder und Enkel kümmert. Obwohl es nicht ihre richtigen Enkel sind, behandelt sie diese so. Sie schafft für die Kinder ein harmonisches Umfeld, das ihnen das fehlende Elternhaus ersetzt. (Vgl. HoH 212f.)
Im Gegensatz zu Großmutter Holstege wirkt Alberts Mutter unbe-kümmert und fröhlich, ohne Trauer- oder Rachegefühle. Diese Unbe-kümmertheit und Fröhlichkeit überträgt sich auf alle Figuren des Romans, wenn sie zu ihr nach Bietenhahn kommen.