Das Bild der Frau in ausgewählten Romanen von Heinrich Böll
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Hedwig Muller


Mit der Figur der Hedwig Muller hat Böll erneut das Bild einer Geliebten geschaffen, die ähnlich wie die Figur der Cornelia in „Kreuz ohne Liebe“ als unselbstständiges Anhängsel einer männlichen Figur fungiert. Wie Cornelia kommt auch Hedwig kaum zu Wort. Der entscheidende Unterschied zwischen den beiden Konstellationen besteht darin, dass sich die eine Geschichte während des Krieges ereignet, während die andere in der Nachkriegszeit spielt.
Insbesondere die schlagartige Veränderung, die Hedwig ungewollt in Walters Leben hervorruft, wird beschrieben. Walter selbst beschreibt diese Veränderung, indem er an die Jahre zurückdenkt, die er mit seiner Verlobten Ulla verbracht hat.

Ulla und an die Jahre mit ihr: diese Jahre waren eng geworden, wie ein Hemd, das die Wäsche nicht überstanden hat – die Zeit aber seit Mittag, seit Hedwigs Ankunft, war eine andere Zeit.(Brot 143)

Durch sie verändert sich sein Leben zum Positiven. Plötzlich glaubt er, über bisher ungeahnte mathematische, sprachliche und musische Fähigkeiten zu verfügen. (Vgl. Brot 61)
Darüber hinaus wird ihm nach sechs Jahren Berufstätigkeit klar, dass er seinen Beruf hasst (Vgl. Brot 62). Auch das Geld erscheint ihm nicht mehr wichtig. (Vgl. Brot 127)
Durch Hedwig erkennt er Vieles, dass er vorher verdrängt oder nicht realisiert hat. Sein Selbstwertgefühl erhält enormen Auftrieb.
Als Hedwig ihrerseits realisiert, dass Walter an ihrer Seite ein neues Leben beginnen möchte, fügt sie sich diesem Entschluss bedingungslos. Walter einen Neuanfang in Liebe und Beruf ermöglichend, fungiert Hedwig für ihn als Hoffnungsträgerin.
Verstärkt wird diese Eigenschaft durch die Farbe „grün“, mit der Hedwig ganze 25-mal in Verbindung gebracht wird. Als Walter sie das erste Mal sieht, fällt ihm sofort ihr Mantel auf. „Er war so grün wie Gras, [...] er war so grün, dass mir schien, er müsse nach Gras riechen.“ (Brot 45) Und als er ihr Blumen kaufen will, wünscht er sich: „Grüne Rosen müsste es geben, [...] Rosen mit grünen Blüten.“ (Brot 51)

Während Walter über die ganze Erzählung hinweg sehr aktiv ist, und diese Aktivität durch Hedwig sogar noch eine Steigerung erfährt, ist diese während der gesamten Erzählung sehr passiv. Nur ein einziges Mal wirkt sie etwas aktiver. Als sie an einem Treffpunkt auf Walter wartet, der einige Minuten zu spät kommt, wird sie von einem Mann angespro-chen, an dessen Seite sie in Gedanken ein ganzes Leben in einer Minute gelebt hatte. (Vgl. Brot 137ff.)
Diese Szene erweckt den Eindruck, dass Böll Hedwig eine Prüfung auferlegen müsse, um ihre Liebe unter Beweis zu stellen. Hier wird sie erstmals in Versuchung geführt. Somit befindet sie sich in der Situation, in der sie sich zu ihrer Liebe zu Walter bekennen muss.
Ein bekannter Rezensent schreibt über die Figur der Hedwig: „Ich halte die Figur für nicht fassbar, weshalb die Liebe zwischen den beiden nicht überzeugend ist.“