Das Bild der Frau in ausgewählten Romanen von Heinrich Böll
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Ulla Wickweber


Ulla Wickweber ist Tochter eines Unternehmers und Verlobte von Walter Fendrich. Sie gehört zu den negativen Frauengestalten Bölls. Sie ist sehr geschäftstüchtig und besitzt eine starke Affinität zu Geld. Sie ist der gleichen Kategorie von Frauenfiguren zuzuordnen wie Frau Gluck aus „Kreuz ohne Liebe“.
Walter stellt sie in seinen Erzählungen als gefühllos und berechnend dar. In diesem Zusammenhang erinnert sich Walter an einen tödlichen Unfall eines Mitarbeiters:

Und ich sah am Nachmittag Ulla, wie sie den Federhalter in ein Fass mit roter Tinte tauchte und mit einem Lineal seinen Namen aus der Lohnliste strich: es war ein gerader und sauberer Strich, und er war so rot wie Blut, [...] (Brot 111).

Ihre Fixierung auf Geld macht Walter ihr zum Vorwurf.

Denn sogar wenn wir ausgingen, vergaßen wir nie, uns einen Beleg für die Steuer geben zu lassen, [...] Und wenn es Quittungen für Küsse gäbe, du hättest sie in einem Ordner. (Brot 125)

Als Walter Ulla bei einem Treffen von Hedwig erzählt, ist ihre erste Frage, warum ihm Geld plötzlich so unwichtig geworden sei. „Ganz verstehe ich es nicht, weil ich nicht verstehe, dass es Dinge gibt, die du nicht des Geldes wegen tust – oder hat sie Geld?“ (Brot 127)

Jedoch bröckelt die harte Fassade, als Walter in einem letzten klärenden Gespräch von seiner Jugend erzählt, während der er oft nichts zu essen hatte. Er wirft ihr vor, dass sie ihm damals nicht half, als er für sie arbeitete. Da wird Walter klar,

dass sie später, wenn sie zu Hause an der dunklen Werkstatt vorbei ins Haus ihres Vaters, wenn sie zwischen Büschen durch über den Kiesweg unter dem Holunderbusch hergehen würde, [...] dass sie weinen würde, und eine weinende Ulla war eine, die [er] nicht kannte (Brot 131).

Ulla, die in Walter immer nur den tüchtigen Mechaniker gesehen hat, der als ihr potentieller Ehemann gut in das Geschäft ihres Vaters passen würde, reagiert überraschenderweise sensibel auf seine Vorwürfe. Geld verliert für sie seinen zentralen Stellenwert, als sie realisiert, dass sie Walter verloren hat.

Du könntest recht haben,[...] Auch ich weiß erst heute, erst jetzt, dass Geld gleichgültig ist: es würde mir nichts ausmachen, dir ei-nen zweiten Blankoscheck zu geben und einen Kontoauszug dazu, und du könntest dir abheben, soviel du wolltest, es würde mir nicht weh tun. Vielleicht hast du recht – aber es ist alles zu spät. (Brot 132)

Wie für Frau Gluck in „Kreuz ohne Liebe“ bedarf es erst eines äußeren Impulses bis Ulla erkennt, dass sie sich hinsichtlich der Bedeu-tung des Geldes getäuscht hat.