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Schlussfolgerungen
Die Arbeit sollte zeigen, ob Böll ein stereotypes, klischeehaftes und traditionelles Bild der Frau in den behandelten Werken schafft. Hinsichtlich der sich aus der Arbeit ergebenden Schlussfolgerungen wird erneut zwischen der Darstellung der Frauen der Kriegszeit einerseits und der Nachkriegszeit andererseits unterschieden.
In seinen frühen Werken, die Frauenfiguren in der Kriegszeit zum Gegenstand haben, beschreibt Böll diese in typisch weiblichen Rollen. Als Mutter, Ehefrau, Prostituierte oder Geliebte treten sie in Erscheinung. Sie sind liebevoll, hilfsbereit und pflichtbewusst, aber auch überwiegend ungebildet und naiv. Sie kümmern sich in erster Linie um das Wohl der Familie und den Haushalt.
In diesen typisch weiblichen Rollen spenden sie ihren Männern, Söhnen und Soldaten Trost, geben ihnen Hoffnung und fungieren insbesondere als „Botinnen“ der Liebe. Somit sind sie auf die Gefühle und Bedürf-nisse der männlichen Figuren ausgerichtet.
Die Frauen, zumindest die positiv gezeichneten, sind dem Mann untergeordnet. Sie bringen ihre eigene Meinung kaum zum Ausdruck und kommen häufig nicht einmal zu Wort. In den wenigen Ausnahmefällen hört der Mann allerdings nicht auf sie. Dies ist zum Beispiel bei Johanna Bachem aus „Kreuz ohne Liebe“ oder Käthe Bogner aus "Und sagte kein einziges Wort" der Fall. Die Frauen folgen ihren Männern bedingungslos, lassen sich von ihnen leiten.
Auch in beruflicher Hinsicht sind sie den Männern untergeordnet. Die Prostituierte Olina aus "Der Zug war pünktlich" ist ihnen in gewisser Weise regelrecht ausgeliefert.
Eine Ausnahme im Rahmen der behandelten Kriegswerke stellt Frau Gluck aus "Kreuz ohne Liebe" dar. Sie ordnet sich nicht unter. Sie wirft ihren Mann sogar aus dem gemeinsamen Hause raus. Deshalb wird sie zunächst als "negative" Frauenfigur beschrieben. Erst im Laufe des Romans entwickelt sie sich zu einer "positiven" Frauenfigur Bölls.
Es lässt sich zunächst also festhalten, dass Böll ein durchweg positives Bild der Frau in der Kriegszeit entwirft. Jedoch ist dieses auch ein sehr traditionelles.
Auf der anderen Seite gibt Böll in seinen Kriegswerken nur teilweise Aufschluss über das reale Frauenleben der damaligen Zeit. Zum einen trifft es zwar zu, dass die Haupttätigkeiten der Frauen in der Erziehung und in der Haushaltsführung lagen. Zum anderen waren sie zumeist während des Krieges allein, da sich ihre Männer an der Front befanden. Insofern beschränkte sich ihre Arbeit nicht mehr ausschließlich auf den häuslichen Bereich, sondern umfasste auch ursprünglich männliche Arbeiten.
Was den Krieg und den Faschismus angeht, schließt Böll seine Frauenfiguren komplett aus. Die Frauen treten weder als Sanitäterinnen oder aktive Kriegsgegnerinnen auf, noch als aktive Befürworterinnen des Nationalsozialismus.
Dabei waren auch Frauen verbreitet an den Verbrechen der Nazis beteiligt. Sie sympathisierten mit ihnen und führten als Krankenschwes-tern Aufgaben wie Zwangssterilisationen und Versuche an Menschen in den Konzentrationslagern durch. Sogar als Vorsteherinnen in Konzentra-tionslagern waren sie tätig und entschieden ebenso über Leben und Tod der Gefangenen.
Böll zeichnet also mit seinem positiven und traditionellen Bild der Frau gleichermaßen ein sehr einseitiges Bild der "realen" Frau.
In seinen späteren von der Nachkriegszeit handelnden Werken, sind die Frauenfiguren weiterhin größtenteils "positiv" dargestellt. Sie behalten ihre traditionellen Rollen als Mutter, Ehefrau und Geliebte bei und zeichnen sich durch ihre Gutmütigkeit aus.
Hinzu treten in seinen späteren Werken aber auch einige "negative" Frauenfiguren. Zum einen handelt es sich bei diesen Frauenfiguren um berufstätige, zum anderen um solche Frauen, die nach Macht und Reichtum streben und sich der Gesellschaft angepasst haben.
Auch die Frauenfiguren der späteren Werke sind überwiegend den männlichen Figuren untergeordnet. Einerseits sind sie ohne ihren Mann nicht lebensfähig. Jedenfalls werden sie ohne ihn nicht mehr glücklich, wie zum Beispiel die Figur der Käthe Bogner aus "Und sagte kein einziges Wort" oder der Nella Bach aus "Haus ohne Hüter".
Zum anderen sind sie finanziell abhängig wie Wilma Brielach aus "Haus ohne Hüter".
Im Übrigen verfestigt Böll die traditionelle Geschlechterhierarchie indem er die Frau hauptsächlich als dem Mann sexuell untergeordnet darstellt. Der Mann nimmt und fordert und die Frau gibt sich widerstandslos hin, auch wenn sie nicht will. Dies ist unter anderem bei den Figuren Käthe Bogner, Wilma Brielach und Marie Derkum der Fall.
In den behandelten Werken gibt es nur zwei Frauenfiguren, die dem Mann erkennbar nicht untergeordnet sind: zum einen Frau Franke aus "Und sagte kein einziges Wort" und Frau Schnier aus "Ansichten eines Clowns". Bei beiden Frauen handelt es sich um Figuren Bölls, die mit negativen Charaktermerkmalen versehen sind.
Böll verwirklicht, sowohl in seinen Kriegswerken als auch in seinen Nachkriegswerken, anhand seiner „positiven“ Frauenfiguren seine Vorstellungen von der " Ästhetik des Humanen". Da es sich bei den Werten seiner " Ästhetik des Humanen" um weitgehend konservative handelt, bleiben auch seine "positiven" Frauenfiguren ihrer traditionellen weiblichen Rolle verhaftet.
Die traditionelle Geschlechterhierarchie wird ausschließlich an seinen "positiven" Frauenfiguren augenscheinlich. Seine "negativen" Frauen bewegen sich außerhalb dieses festen und Pauschalen Rahmens. Sie dienen Böll nur dazu, seine Kritik an Gesellschaft und Kirche hervorzu-heben.
Insofern idealisiert er sowohl die traditionelle Rolle der Frau als auch ihre Unterordnung dem Mann gegenüber.
Überdies geben auch Bölls Schilderungen der Nachkriegszeit nur teilweise Aufschluss über das tatsächliche Frauenleben der damaligen Zeit.
Dieses war zwar in der Regel von Trauer, Hunger, Schmutz und Krankheiten geprägt.
Nichtsdestotrotz wurden - insbesondere in der Nachkriegszeit - viele Frauen selbstbewusster und selbstständiger. Sie ersetzten ihre Männer in deren ursprünglichen Tätigkeitsbereichen, da diese sich oftmals noch Jahre in Kriegsgefangenschaft befanden. Vielfach kam es, als diese wieder nach Hause zurückkehrten, zu vermehrten Scheidungen, weil sich die Frauen ihre Selbstständigkeit nicht mehr nehmen lassen wollten.
Auch die Anzahl erwerbstätiger Frauen verdreifachte sich im Laufe der 50er Jahre, die der arbeitenden Mütter verdoppelt sich sogar. Das Bild der ausschließlich häuslich tätigen Frau trifft nicht mehr zu.
Böll spiegelt also nur Bruchstücke des realen Frauenlebens in seinen Werken wieder. Er beschränkt sich dabei nur auf die Bereiche des realen Frauenlebens, in denen Frauen weiterhin ihrer traditionellen Rolle entsprechen.
Böll schafft im Großen und Ganzen mit seinen „positiven“ Frauenbildern sein Idealbild der Frau. Diese verkörpert seine Vorstellungen von Menschlichkeit.
Desweiteren weisen alle "positiven" Böllschen Frauenfiguren Eigenschaften der drei biblischen Mythen, die Böll in seiner "Trinität des Weiblichen" beschreibt, auf. Sie sind entweder Mutter, verkörpern mithin Unschuld und Reinheit, oder sie sind Sünderin, Barmherzige oder Verführerin. Manchmal vereinen sie zwei oder gleich alle drei Eigenschaften in sich.
Weiterhin verwirklicht Böll mittels der Beschreibung des Äußeren seiner "positiven" Frauenfiguren auch männliche Phantasien. Durchweg sind diese Positivgestalten hübsch, haben tolle Figuren, schöne Augen und ein übersinnliches Lächeln.
Insgesamt schafft Böll, sowohl mit seinen "positiven" wie "negativen" Frauenfiguren ein stereotypes, klischeehaftes Bild der Frau, welches möglicherweise auch unbewußten männlichen Wunschbildern basiert. Nur in geringem Ausmaß entspricht es der Realität der Frauen der damaligen Zeit.
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