Das Bild der Frau in ausgewählten Romanen von Heinrich Böll
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Das Bild der Frau in ausgewählten Romanen und Erzählungen Heinrich Bölls von "Kreuz ohne Liebe" bis "Gruppenbild mit Dame"


Heinrich BöllUntersuchungen zum Bild der Frau in der Literaturwissenschaft sind kein Novum. Schon immer galten Frauen als großes Thema in der Literatur. Zumeist wurden literarische Frauenfiguren von männlichen Autoren geschaffen, deren Darstellung in der Vergangenheit und auch heute noch in der feministischen Literaturwissenschaft auf erhebliche Kritik stößt. In der Regel entsprechen die Frauenbilder männlicher Autoren nicht dem Bild, das Frauen von sich selbst haben. Die Realität der Frau wird verzerrt und ist dergestalt kaum wiederzuerkennen.

"Die Bilder, die die Literaturgeschichte überliefert, umfassen so unterschiedliche Imagines wie das der Madonna, der Hexe, der jugendlichen Unschuld [...] Sie spalten das Weibliche in eine ideali-sierte und eine dämonische Gestalt. Die Frau ist [...] Heilige oder Hure, Engel oder Dämon." (1)

Deshalb wird oftmals von feministischen Autorinnen die Frage aufgeworfen, ob durch diese Vorgehensweise männlicher Autoren die Frau als solche herabgestuft wird. Ob sie mithin lediglich als Wunschphantasie männlicher Autoren fungiert.
Auch Heinrich Böll, von vielen Leuten als toleranter und politisch engagierter Mensch und Autor geschätzt, hat in seinen Werken eine Vielzahl literarischer Frauen geschaffen. Ziel dieser Arbeit ist es, herauszufinden, welches Frauenbild in seinen Werken überwiegt. Handelt es sich dabei um ein traditionelles, stereotypes und klischeehaftes Frauenbild, oder hat er damals vielleicht schon ein modernes, emanzipiertes Frauenbild geschaffen. Dazu werden die Frauenfiguren aus ausgewählten Romanen und Erzählungen Bölls untersucht.

Um zunächst einen Einblick in das Thema der Frauenbilder in der Literatur im Allgemeinen und in der Literatur von Männern im Besonderen zu erhalten, werden zunächst zu diesem Thema vertraute feministische Ansätze herausgearbeitet. Das Thema „Frauenbilder in der Literatur“ soll aus Sicht der feministischen Literaturwissenschaft dargestellt werden. Hierdurch soll einerseits aufgezeigt werden, welchen Stellenwert Protagonistinnen in der Literatur haben. Andererseits sollen Kriterien für die folgende Analyse des Frauenbildes in den Werken von Heinrich Böll herausgearbeitet werden.

Insgesamt werden drei kritische Untersuchungen der feministischen Literaturwissenschaft erläutert. Die erste Untersuchung hat den Titel „Ausgrenzung und Überfluss – Frauen in der Literatur“, die zweite „Die Frau – Das natürliche Geschlecht“ und zuletzt werden die „Frauenbilder in der Literatur von Männern“ untersucht. In diesem Rahmen wird zuerst ein Vergleich zwischen dem Auftreten von Autorinnen in der Literaturgeschichte und als „Literatur-Thema“ vorgenommen. Desweiteren wird untersucht, wie die feministische Theorie die traditionellen Frauenzuschreibungen, insbesondere das Argument von der „Natur der Frau“ in männlicher Literatur, aufzulösen versucht hat. Abschließend wird erörtert, nach welchen Kriterien Frauenbilder in männlicher Literatur zu untersuchen sind. Antworten hierzu sollen unter anderem die Abhandlungen von Simone de Beauvoir (Das zweite Geschlecht), Silvia Bovenschen (Die imaginierte Weiblichkeit) sowie Inge Stephan/ Sigrid Weigel (Die verborgene Frau) und Klaus Theweleit (Männerphantasien) geben.
Bezogen auf das Frauenbild im Gesamtwerk Bölls existiert zu dieser Fragestellung nur eine umfangreiche Untersuchung. Diese stammt von Dorothee Römhild und hat den Titel „Die Ehre der Frau ist unantastbar“ .

Bei der Untersuchung der Frauenfiguren wird ausschließlich auf ausgewählte Romane und Erzählungen Heinrich Bölls Bezug genommen, welche während des Zeitraums von 1947 bis 1971 entstanden sind. Die Figuren werden dabei chronologisch nach dem Entstehungsdatum des Werkes geordnet und diskutiert. Die Werke aus seiner Schaffenszeit zwischen 1947 und 1951 spielen während des zweiten Weltkriegs, die darauffolgenden behandeln das Leben im Nachkriegsdeutschland. Die Werke nach 1971 werden nicht mehr in die Bearbeitung mit hineinge-nommen, da sich die Protagonistinnen mit einem anderen gesellschaftli-chen Umfeld auseinandersetzen. Außerdem zeigt die zuletzt behandelte Frauenfigur Leni, aus „Gruppenbild mit Dame“, viele Facetten der Frauenfiguren aus Bölls früheren Werken.
Im letzten Kapitel dieser Arbeit soll geklärt werden, warum Frauenbilder männlicher Autoren häufig als negativ und realitätsferne Darstellung von Frauen kritisiert werden, während männliche Kritiker diese Bilder zumeist loben und verständnislos auf die weibliche Kritik reagieren. Um einer Antwort hierauf näher zu kommen, soll insbesondere das Buch „Frauen lesen anders“ von Ruth Klüger Einsichten liefern. In diesem Kontext soll letztlich ermittelt werden, ob es auch in Hinblick auf Bölls Frauendarstellungen solche unterschiedlichen Ansichten von Lesern und Leserinnen gibt.

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(1) Lindhoff, Lena: Einführung in die feministische Literaturtheorie, Band 285, Stuttgart/Weimar 2003, S. 16